Das Goethe-Institut versteht sich als Mittler zwischen Kulturen und Menschen, als Dialogpartner zwischen Deutschland und anderen Ländern. Da die Literatur wie kaum eine andere Gattung der Kunst im Gesellschaftlichen verortet ist, das Gesellschaftliche spiegelt und neu verhandelt, wenn auch häufig in fiktionalisierter Form, ist das Lesen von Literatur und das Sprechen darüber auch immer ein Austausch über die Geschichte, Gedanken und Menschen eines Landes. Was wüssten wir in Deutschland über die Ukraine ohne Autoren wie Juri Andruchowytsch, Ljubko Deresch oder Oksana Sabuschko?

 

Die deutsche Gegenwartsliteratur hat in den vergangenen Jahren einen neuen Ton gefunden und sich auch im Ausland besser als zuvor ins Gespräch bringen können. Das Goethe-Institut möchte durch und mit Literatur in den gemeinsamen Dialog treten und so Stimmen und Stimmungen aus Deutschland weltweit zu Gehör bringen.

 

Nach wie vor können deutschsprachige Originale im Ausland oft nur von wenigen Fachleuten gelesen werden. Qualifizierte Übersetzer und ansprechende Übersetzungen sind somit maßgeblich für die Erreichbarkeit der Leser und für das Potential des kulturellen Austausches.

 

Mit seinem Programm Litrix.de möchte das Goethe-Institut literarisch Interessierte und Verlage auf aktuelle Neuerscheinungen aufmerksam machen.

 

Zweimal jährlich wählt eine Jury, die mit Experten aus den Bereichen Kinder- und Jugendbuch, sowie Sachbuch und Belletristik besetzt ist, herausragende Titel aus, die auf der Website von Litrix.de präsentiert werden. Besucher finden hier professionelle Buchbesprechungen und können sich durch mehrseitige Leseproben einen unmittelbaren Eindruck des Werks verschaffen. Das Besondere daran ist, dass sich dies nicht auf die deutsche Sprache beschränkt. Alle Informationen auf der Webseite finden sich auf Deutsch und Englisch, ausgewählte Titel werden zudem von 2012 bis 2013 auf Russisch präsentiert. Abgerundet wird der literarische Exkurs durch Informationen zu Autoren und Verlagen.

 

Mit Litrix.de möchte das Goethe-Institut Interessierten Einblicke in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur vermitteln, aber insbesondere auch ausländischen Verlagen die Möglichkeit geben, selbst deutsche Autoren in hochwertiger Übersetzung zu publizieren.

 

Die Publikation solcher anspruchsvoller Übersetzungen stellt allerdings für jeden Verlag ein nicht unerhebliches wirtschaftliches Risiko dar. Zu den normalen Redaktions- und Herstellungskosten kommen Lizenzgebühr und Übersetzerhonorar als finanzielle Mehrbelastung, die nicht immer durch entsprechend hohe Verkaufserlöse kompensiert werden kann. Seit mehr als 35 Jahren bietet das Förderprogramm „Übersetzungen deutscher Bücher in eine Fremdsprache“ daher Verlagen finanzielle Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer Publikationsvorhaben. 2001 wurde das Programm Teil der weltweiten Kulturarbeit des Goethe-Instituts. Seit seinem Bestehen hat es die Übersetzung von annähernd 6.000 Werken unterstützt. 2011 wurden weltweit 288 Bücher mit einer Gesamtsumme von etwa 570.000 Euro gefördert.

 

Interessierte Verlage können sich beim Goethe-Institut in ihrem Land um Förderung bewerben. Im Fall einer Bewilligung erstattet das Goethe-Institut dem Verlag nach Erscheinen der ukrainischen Ausgabe einen Anteil von ca. 50%-70% der Übersetzungskosten zurück. Das Förderprogramm handelt nachfrageorientiert; das heißt, der Verlag kann sich mit jedem deutschsprachigen Titel bewerben. Vom Kinderbuch über Roman, Lyrik, Essay bis hin zum philosophischen Klassiker ist alles möglich. Auch akademische Fachbücher aus den Geistes- und Sozialwissenschaften werden gefördert, sofern sie einen wichtigen deutschen Beitrag zu international relevanten Diskursen darstellen.

 

[Folgende Unterlagen sind für die Bewerbung nötig: eine Kopie des abgeschlossenen Lizenzvertrags mit dem deutschen Originalverlag, eine Kopie des Übersetzervertrags sowie eine Projektbegründung, in der der Verlag kurz erläutert, warum er sich für die Publikation des Werks entschieden hat, wie das Werk inhaltlich zum Verlagsprogramm passt, und aus welchen Gründen die finanzielle Förderung notwendig ist. Zusätzlich müssen zwei Exemplare der deutschen Originalausgabe und Pressestimmen eingereicht werden.]

 

Das Goethe-Institut vor Ort entscheidet darüber, ob das Werk grundsätzlich gefördert werden sollte. Anschließend leitet es die Bewerbung an die Zentrale des Goethe-Instituts in München weiter, wo ein Fachausschuss die Fördersumme im Rahmen der weltweiten budgetären Möglichkeiten festlegt. Ausschlaggebend für die Förderung sind kulturpolitische Aspekte, thematische Schwerpunkte des Goethe-Instituts vor Ort sowie die literarische bzw. fachliche Qualität des Buchs. Aufgrund der großen Nachfrage kann leider nicht jede Bewerbung bewilligt werden. Weitere Informationen bietet die Webseite www.goethe.de/translationgrants.

 

Neben diesem etablierten Förderprogramm wendet sich das Goethe-Institut seit 2008 mit einem weiteren Angebot direkt an ausländische Literaturübersetzer: Das Programm „Bücher übersetzen – Brücken schlagen“ bietet den Übersetzern die Möglichkeit, im Rahmen eines sechs- bis achtwöchigen Arbeitsaufenthalts in Deutschland in ruhiger, konzentrierter Atmosphäre an einem Projekt aus der aktuellen deutschsprachigen Belletristik zu arbeiten. Zwei Kooperationspartner, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., stellen hierfür Wohnungen in Dresden bzw. Gut Siggen (Schleswig-Holstein) zur Verfügung. 2012 nehmen sechs Übersetzerinnen und Übersetzer am Residenzprogramm teil. Auf der Webseite www.goethe.de/translators-in-residence werden sie sowie die Stipendiaten den Vorjahre vorgestellt.